Ein nordisches Sommermärchen: Hvolsvöllur Lava Center, Mýrdalssandur, Laufskálavarða, Skógafoss, Seljalandsfoss

 Tag 4


Am letzten Tag ist Sophia offensichtlich genug gegangen, somit ist auch die Nacht ruhig. Für den kommenden Tag haben wir zwei Punkte ins Auge gefaßt: das LAVA Center in Hvolsvöllur und die Icelandic Lava Show in Vík í Mýrdal. Philipp, von Vulkanen und Lava gleichermaßen begeistert, freut sich schon riesig darauf.

Wie an jedem Tag, steht auch heute nach Sophias Frühstück der Gang zum Hotelrestaurant an - für unser Frühstück. Und wieder einmal zeigt sich das Wetter von seiner charmantesten Seite und beschert uns Lichtstimmungen und Panoramablicke vom Feinsten:

Smáratún Farm am Morgen

Morgengruß vom Eyjafjallajökull

Raphael scchiebt Sophia im Rehabuggy, Philipp trottet mit Mama hinterher

Philpp freut sich zwar auf LAVA Museum und Show, aber die letzten Tage fordern ihren Tribut und so klagt er schon morgens über Lauserfüße und tauscht mit Sophia, die dafür während des Marsches eine Portion Spezialmotivation bekommt:

dieser DVD-Player mit "Lauras Stern" verschafft uns, gemeinsam mit unseren Handys, 
auch während der Mahlzeiten ein gewisses Maß an Ruhe

Heute bin ich schneller mit dem Frühstück fertig und fange ein paar Eindrücke vom Hotelfoyer ein: dort gibt es, neben Billiard- und Schachtisch und ein paar Sofas auch ein interessante Photowand mit alten Aufnahmen aus dem Tal:





Nach dem Frühstück posieren die Jungs kurz für Portraits



bevor wir zu unserem Häuschen zurückmarschieren

Das Häuschen in der Bildmitte ist "unseres"


Wir haben heute morgen etwas mehr Zeit, weil das LAVA Center nicht sooo früh öffnet und die Fahrt dorthin nur ein paar Minuten dauert. 

Pünktlich zum Start sind wir vor Ort und tauchen ein in eine spannende Ausstellung. Beim Eingang verfolgt man  diesen Gang: 

das rote Licht wandert die Wand entlang und beleuchtet somit immer unterschiedliche Wandteile

an der Wand sind, chronologisch geordnet, die verschiedensten  Vulkane und ihre Aktivitäten der letzten ca. 100 Jahre angeführt: Es gibt kaum ein Jahr, in dem nicht irgendwo  in Island irgendein Vulkan ausbricht.  Soo unruhig nimmt man das als Mitteleuropäer nicht wahr!

Das nächste Bild hat mich besonders beeindruckt, wohl auch deshalb, weil ich es anfangs für eine symbolische Darstellung hielt, tatsächlich stellt es aber ein geologisches Phänomen im richtigen Maßstab dar:

Der  Maßstab stimmt!!! Da staunt der geologische Laie :)


Manteldiapire (oder auch Mantelplumes) sind Zonen, an denen von tiefen Erdmantelschichten heißes Gestein an die Oberfläche transportiert wird - unabhängig von Plattengrenzen - und so an den sogenannten "Hotspots" für Vulkanismus sorgen. Sie können mehrere hundert Kilometer Durchmesser erreichen und ein solches Teil findet sich genau unter Island. 

Ein Highlight der Ausstellung sind die zahlreichen Konsolen, an denen man vulkanische Erscheinungen am Bildschirm beobachten und deren Ablaufgeschwindigkeit  selbst steuern kann. (Die Videos davon reiche ich bei Gelegenheit nach - wenn sie was geworden sind :) )

Am Ende der Ausstellung betritt man einen Raum, in dem man an drei Seiten interaktive Bilder der Vulkane rund um Hvolsvöllur an die Wand projeziert. Hier kann man von bestimmten Punkten am Fußboden ausgehend Informationen über die Vulkane Tindfjallajökull, Hekla, Eyjafjallajökull und Eldfell auf Heimaey (Westmännerinseln) durch Ansteuern von Informationspunkten an der Wand abrufen. Immer wieder läßt die Projektion einen der Vulkane ausbrechen, und plötzlich fliegen einem buchstäblich Gesteinsbrocken um die Ohren und die Sicht ist gleich Null. Philipp war aus diesem Raum kaum wegzukriegen !

Hier ein paar Bilder mit ein paar wichtigen Eckdaten zum Vulkanismus in Island:

Islands Vulkansysteme

Zur leichteren Orientierung: Die Gletscher im Süden sind folgende: der größte ist Mýrdalsjökull, westlich davon der kleinere Eyjafjallajökull, nordlich vom Eyjafjallajökull ist der Tindfjallajökull. Westlich all dieser Gletscher, ca. dort wo LAVA steht, liegt Hvolsvöllur.

Meßstationen

Erdbeben in den letzten 48 h, man erkennt die Häufung rund um den aktuellen Vulkanausbruch ganz im Westen sowie die Aktivität unter dem Mýrdalsjökull - für letztere ist Katla verantwortlich - der zur Zeit gefürchtetste Vulkan in Island: große zerstörerische Kraft, die rasch zuschlägt, normalerweise alle 50 Jahre ausbricht und seit 50 Jahren überfällig ist....

Zu guter Letzt schauen wir uns einen 45minütigen Film über Vulkane in Island an - Auch das sehr beeindruckend und auch für Philipp unglaublich spannend.

Nach diesen abwechslungsreichen Stunden im Museum wollen wir nach Vík weiterfahren und tanken nicht nur Diesel, sondern pumpen auch die Reifen von Sophias Rehabuggy auf. Leider denke ich nicht daran, daß wir die Vorderreifen noch nie erneuert haben, und prompt erwische ich zuviel: ich starte den Motor und will das Auto zurücksetzen, plötzlich hören wir einen lauten Knall. Es daueert ein paar Sekunden, bis ich registriere, was passiert ist.
Natürlich läßt sich in Hvolsvöllur kein Ersatz auftreiben (der einzige Reifenhändler hat zwar alle möglichen - vor allem groß dimensionierten - Reifen für Autos, Jeeps, LKW, Traktoren - aber meinen Minireifen natürlich nicht. Einen solchen könnte man bestenfalls in Reykjavík auftreiben - wenn man  ihn nicht sogar extra bestellen müßte). Den restlichen Urlaub fahren wir also mit einem platten Vorderreifen ...

Unser nächstes Ziel ist die "Icelandic Lava Show" in Vík. Die Fahrt dorthin ist landschaftlich sehr reizvoll, und auch die in diesem Teil des Landes nur einspurigen Brücken sorgen für Abwechslung. Allerdings ist kaum Verkehr, und so fallen die Brücken zeitlich kaum ins Gewicht. 

In Vík müssen wir dann feststellen, daß die  Beginnzeiten im Internet leider nicht mit denen vor Ort übereinstimmen, ABER: auf meine Frage, ob es für Behinderte Ermäßigungen gibt, kommt sehr rasch der Chef des Hauses, bucht uns persönlich einen Termin für den nächsten Tag -> inklusive Ermäßigung für Sophia. Da unsere Jungs leider nur Pommes essen und die nicht auf dem Speiseplan der hauseigenen Wirtschaft stehen, verlassen wir das Lokal und fahren weiter Richtung Osten, um uns dort die Gegend etwas anzuschauen. Wir fahren noch gut 20 km, bevor wir umdrehen: kurz nach Vík beginnt Mýrdalssandur



eine ca. 40 km Weite Ebene, die von Schwemmaterial aus den Gletschern und diversen Vulkanausbrüchen der Katla gebildet wurde. Der schwarze Sand ist nichts anderes als unter der Eisdecke des Vulkans erkaltetes Magma.

Dämme versuchen, die Gletscherflüsse soweit zu regulieren, daß die Straße ihrer Kraft nur an gewissen Stellen ausgesetzt ist - an diesen Stellen mit Brücken überwunden werden kann.

Nach 20 km erreichen wir Laufskálavarða, den Ort ziemlich in der Mitte der Weiten Ebene. Früher einmal stand hier ein durchaus beachtliches Gehöft

Blick auf den östlichen Ausläufer des Mýrdalsjükull. Darunter lauert Katla

das aber nach einem Ausbruch von Katla dem Erdboden gleichgemacht wurde. Seither hat es sich eingebürgert, daß Reisende hier kleine Steinhäufchen bauen, und so um eine gute Weiterreise bitten.


Wir nutzen den Parkplatz, um Sophia wieder einmal zu füttern und gleichzeitig ein bißchen herumlaufen zu lassen



Dann treten wir die Rückreise an, weil wir dabei noch zwei Wasserfälle besuchen wollen: Skógafoss und Seljalandsfoss.

Am Weg nach Westen fahren wir kurz in Vík in den Ort, um wenigstens aus der Ferne einen Blick auf die drei recht prominenten Felsen zu erhaschen, die als Brutgebiet von Seevögeln dienen


, dann geht es zügig weiter. Am Weg nach Westen kann man gleich nach Vík eine Blick auf den Gletscher werfen, 


danach geht es die Küste entlang weiter, wobei die Landschaft hier wirklich ausgesprochen malerisch ist: die folgenden Bilder wurden von EINEM Standort aus aufgenommen, von West nach Ost







und im Westen kann man in der Ferne schon den Berg ausmachen, an dessen Fuß der Skógafoss zu finden ist



während man dem Gletscher des Mýrdalsjökull hier am nähesten ist



Schließlich erreichen wir den Parkplatz des Campingplatzes, von dem aus man zu Fuß zum Wasserfall geht. Am Weg dorthin findet man typisch isländische Photomotive: Bauernhof allein in der Landschaft

Aber deswegen sind wir nicht hier. Uns, und auch andere Touristen, die hier in größerer Zahl herumlaufen, interessiert vor allem der Wasserfall:

Wir nähern uns der Sache langsam. Erst einmal ist da ein Fluß,



dann ein Fluß mit Nebelschwaden



und schließlich ist er da, der Skógafoss

Philipp mit der roten Jacke
 daneben Erika, die Sophia schiebt , und Raphael ganz rechts


und weil es heute extra fein läuft, läßt er sich heute in der Nachmittagsonne mit einem Hauch von Kitsch fotografieren:

Sophias Reha-Buggy rechts im Bild

Philipp will trotz seiner Lauserfüße unbedingt den Wasserfall von oben betrachten, also nehme ich ihn auf die Schultern und trage ihn über die Eissentreppe bis nach oben zur Plattform. Wir verwenden dafür des öfteren die Überholspur. Das ist zwar anstrengend, macht aber Spaß und eröffnet neue Perspektiven



 Auch der Blick ins Hinterland lohnt sich, von hier aus könnte man eine schöne Wanderung starten           
                        

Aber die größte Überraschung liefert wieder einmal Sophia, die es sich einbildet, ihren Brüdern nachzugehen:



Erstaunlich, was Wasserfälle bei Sophia bewirken 😁. 

Allerdings verschläft Sophia den letzten Wasserfall des Tages. Immerhin ist es schon nach 18:00, als  wir beim Parkplatz des Seljalandsfoss eintreffen. Ich gebe ihr Wasser über die Sonde, aber sie möchte nicht mehr herumlaufen und setzt sich rasch wieder ins Auto, wo wir auf Erika und die Jungs warten, die sich den Wasserfall nicht entgehen lassen. Als die drei zurückkommen, starte ich los, um noch ein paar Schnappschüße in der Abendsonne  einzufangen. Ich nähere mich mit der digitalen Spiegelreflexkamera (ich habe dafür keinen  Spritzschutz!!) von der dem Wind zugewandten Seite 





und wechsle dann auf die Handykamera  - das Teil ist wasserfest 







Der Weg rund  um den Wasserfall ist natürlich sehr rutschig. Mit meinen Bergschuhen ist das kein Problem, aber es geht mir wie zu Hause: 
ich schüttle den Kopf über Halbschuhtouristen 🙈.

Nach diesem ereignisreichen und abwechslungsreichen Tag fahren wir über Hvolsvöllur zurück zur Smáratún Farm - es gäbe zwar eine Abkürzung, aber mit unserem Auto möchte ich nicht mehr auf Schotterstraßen fahren, als unbedingt nötig.

Nach dem - wie immer ausgesprochen leckeren - Abendessen im hoteleigenen Restaurant bringen wir die Kinder ins Bett und packen unsere Siebensachen etwas wehmütig ein: wir verlassen dieses tolle Quartier und die wirklich gute Küche nur ungern. 
 

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